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Energieisolierung im LOTOTO-Verfahren
Eine Anlage hat oft mehrere Energiequellen, und jede wird anders getrennt, an einer anderen Stelle und manchmal von einem anderen Gewerk. Auf dieser Seite erklären wir, mit welchen Energien zu rechnen ist, was eine Trennstelle ist und warum es sinnvoll ist, jede Energie einzeln zu bestätigen.
Eine Anlage ist erst gesichert, wenn alle ihre Energien getrennt sind.
Was ist Energieisolierung?
Kurze AntwortEs ist die Trennung einer Anlage von der Energiequelle an der Trennstelle, sodass keine Energie mehr zur Anlage gelangen kann, sowie der Abbau oder die Sicherung der Energie, die in ihr verblieben ist.
Die Trennung ist der Kern des gesamten LOTOTO-Verfahrens. Schloss und Anhänger sichern sie gegen Aufhebung, die Prüfung (Tryout) bestätigt, dass sie wirksam ist. Wird an der falschen Stelle oder unvollständig getrennt, schützen weder Schloss noch Anhänger die Mitarbeitenden.
Bei der Trennung geht es um die Energiequelle, nicht um die Steuerung der Maschine. Ein Druck auf den Stopp-Taster, das Umschalten eines Wahlschalters oder das Abschalten über das Leitsystem hält die Anlage an, trennt sie aber nicht von der Energie. Ein Steuerkreis kann gestört, überbrückt oder versehentlich aktiviert werden.
Welche Arten gefährlicher Energie werden getrennt?
Kurze AntwortNeben elektrischer Energie vor allem mechanische, potenzielle (Schwerkraft), hydraulische, pneumatische, thermische und chemische Energie sowie Druckmedien in Rohrleitungen.
| Energieart | Beispiele für Quellen | Beispiele für Trennung und Abbau |
|---|---|---|
| Elektrisch (Nieder- und Hochspannung) | Antriebseinspeisung, Steuerkreise, Kondensatoren | Trennschalter, Leistungsschalter, Ausfahren des Schalterwagens, Entladen, Erden nach den geltenden Regeln |
| Mechanisch | rotierende Teile, Schwungräder, gespannte Federn, Riemen | Abwarten des Auslaufs, mechanische Sperre, Entspannen der Feder |
| Potenziell (Schwerkraft) | angehobene Teile, Lasten, Material in Bunkern und Silos | Absenken in die untere Stellung, Abstützen, Sichern, Entleeren |
| Hydraulisch | Zylinder, Speicher, Druckleitungen | Schließen des Ventils, Druckentlastung, Kontrolle am Manometer |
| Pneumatisch | Druckluftleitungen, Zylinder, Behälter | Absperren und Entlüften, abschließbares Ventil |
| Thermisch | heiße Oberflächen, Dampf, heißes Material | Abschalten der Zufuhr, Abkühlen, Entwässern |
| Chemisch und Druckmedien | Prozessstoffe, Gase, Dampf, Wasser in Rohrleitungen | Absperren und Setzen einer Steckscheibe, Entleeren, Spülen |
Die Übersicht dient nur der Veranschaulichung. Die konkreten Energiequellen, Trennstellen und die Art ihrer Sicherung legt das Verfahren für die jeweilige Anlage fest.
Das größte Risiko bei der Identifikation der Quellen ist Energie, die nicht auf den ersten Blick erkennbar ist: eine zweite Einspeisung, eine Ersatzstromversorgung, ein Druckspeicher oder Material, das im Bunker nachrutschen kann. Deshalb sollte jede Anlage auf einem vorab erstellten Verfahren beruhen, nicht auf einer Einschätzung vor Ort.
Was ist eine Trennstelle?
Kurze AntwortEine Trennstelle ist der konkrete Ort, an dem eine Trenneinrichtung die Energiequelle abtrennt und an dem Schloss und Anhänger angebracht werden, zum Beispiel ein Trennschalter im Schaltschrank oder ein Ventil an der Rohrleitung.
Eine Trenneinrichtung ist ein Element, das die Energie physisch abtrennt: ein Trennschalter mit sichtbarer Trennstrecke, ein handbetätigter Leistungsschalter, ein Absperrventil, eine Steckscheibe oder eine mechanische Sperre. Taster, Wahlschalter und andere Elemente von Steuerkreisen gelten nicht als Trenneinrichtungen.
Die Trennstelle muss eindeutig gekennzeichnet und der Anlage zugeordnet sein. Hat ein Schaltschrank Dutzende Abgänge und entspricht ihre Beschriftung nicht der Wirklichkeit, kann auch eine gewissenhafte Person den falschen Abgang verriegeln. Die Qualität der Kennzeichnung vor Ort ist daher ebenso wichtig wie die Qualität der Dokumentation.
Das Trennverfahren einer konkreten Anlage – welche Trennstellen, in welcher Reihenfolge und wie das Ergebnis geprüft wird – ist ein typischer Kandidat für eine digitale Arbeitsanweisung, die den Mitarbeitenden direkt an der Anlage zur Verfügung steht.
Warum jede Energie einzeln dokumentieren?
Kurze AntwortWeil die einzelnen Energien oft von verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeitpunkten getrennt werden. Gesichert ist die Anlage erst, wenn alle ihre Energiequellen getrennt sind.
Die elektrische Energie trennt die Elektrofachkraft im Schaltschrank, die Hydraulik entlastet der Mechaniker am Aggregat, und die Pneumatik sperrt eine weitere Person an der Druckluftleitung ab. Eine einzige Unterschrift „Anlage gesichert“ fasst diese Handlungen zusammen, und die Information, wer was ausgeführt hat, geht verloren.
In der digitalen Lockout-Dokumentation wird deshalb jede Energieart gesondert geführt. Jede ausführende Person bestätigt ihre Energie und gibt die Nummer ihres Schlosses an. Den Gesamtstatus „verriegelt“ zeigt das System erst nach Bestätigung aller erforderlichen Energien an. Zusätzlich lässt sich festlegen, dass Mitarbeitende nur die Energiearten sichern dürfen, für die sie vorgesehen sind, etwa die Elektrofachkraft die elektrische Energie.
LesenRollen und BerechtigungenWie erkennt man einen teilweise abgeschlossenen Prozess?
Kurze AntwortIndem der Status Energie für Energie verfolgt wird. Statt eines allgemeinen „Anlage wird gesichert“ ist sichtbar, welche Energien bestätigt sind und auf welche Handlung noch gewartet wird.
Eine teilweise gesicherte Anlage ist gefährlicher, als es scheint. Sie wirkt stillgesetzt und ein Teil der Schlösser hängt bereits, doch eine Energiequelle kann noch zugeschaltet sein. Ist dieser Zustand nicht deutlich erkennbar, beginnt womöglich jemand zu früh mit der Arbeit.
Dasselbe Prinzip gilt beim Entriegeln. Jede ausführende Person bestätigt die Entriegelung ihrer Energie, sodass auch eine Anlage sichtbar ist, die gerade wieder in Betrieb genommen wird.
Warum ist ein sauberes Anlagenregister die Grundlage?
Kurze AntwortWeil die Dokumentation der Trennung nur so gut ist wie die Daten, auf denen sie beruht. Ein fehlerhaftes Anlagenregister führt zu einer fehlerhaften Liste der Energien.
Das Anlagenregister enthält die im Betrieb verwendete Anlagenkennung, die Beschreibung der Anlage, die zugeordneten Energiearten und Fotos. Bei der Einführung eines digitalen Prozesses müssen diese Daten ebenso überprüft werden wie die Zuordnung der Anlagen zu den Trennstellen. Oft zeigt sich dabei, dass die Kennzeichnung vor Ort und in der Dokumentation nicht übereinstimmt.
Die Liste der Energiearten einer Anlage ersetzt jedoch nicht das Verfahren zu ihrer Sicherung. Sie sagt, was getrennt werden muss, nicht wie und wo. Das legen die freigegebene Arbeitsanweisung und die fachliche Qualifikation der Mitarbeitenden fest.
Welche Anlagen und Energien für die einzelnen Branchen typisch sind, finden Sie in der Übersicht der Branchen.
Ersetzt die digitale Dokumentation die physische Trennung?
Kurze AntwortNein. Die digitale Dokumentation erfasst Bestätigungen von Mitarbeitenden über ausgeführte Handlungen. Trennen, Verriegeln, Kennzeichnen und Prüfen müssen immer physisch an der Anlage erfolgen.
Der Status „verriegelt“ in der Anwendung ist ein dokumentierter Status auf Basis der Bestätigungen von Mitarbeitenden, keine Messung des Anlagenzustands. Die Wirksamkeitsprüfung der Trennung, der Tryout, bleibt ein eigener Arbeitsschritt vor Ort. Die Art seiner Dokumentation gestalten wir nach den Regeln des jeweiligen Betriebs. Was die Digitalisierung von LOTOTO bringt und wo ihre Grenzen liegen, beschreiben wir auf der Seite Digitalisierung von LOTOTO.
Häufige Fragen
Reicht es, den Hauptschalter der Maschine auszuschalten?
Nicht immer. Der Hauptschalter trennt die elektrische Versorgung, sofern er eine Trenneinrichtung ist, aber weder Druck noch potenzielle Energie, Trägheit oder weitere Quellen. Maßgeblich ist das Verfahren für die jeweilige Anlage.
Kann eine Trennstelle mehrere Anlagen sichern?
Ja, zum Beispiel eine gemeinsame Druckluftversorgung. Deshalb ist wichtig, dass das Register die Zuordnung zwischen Anlagen und Trennstellen erfasst und erkennbar ist, wer an ihnen arbeitet.
Wer legt fest, welche Energien eine Anlage hat?
Der Betrieb, in der Regel bei der Erstellung des Verfahrens für die Anlage und bei ihrer Gefährdungsbeurteilung. Das digitale System übernimmt diese Daten, es erzeugt sie nicht.
Nächster Schritt
Wie dokumentieren Sie die Energieisolierung?
Wir sehen uns mit Ihnen Anlagenregister, Energien und Trennverfahren an und zeigen, wie sie sich im digitalen Prozess Energie für Energie führen ließen.
